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Araber-Berber-Hengste gibt es nur ganz wenige in der Schweiz. Einer davon steht auf dem Berberhof von Esther Blaser in Diessen- hofen. Auch Werner Wicker setzt auf diese Rasse. Er besitzt vier Stuten.

DIESSENHOFEN – Wie man einen Turban bindet, weiss sie inzwischen. Weit aufwendiger ist allerdings das Satteln von Berberhengst El Khortom. Ein dickes Stück Schaumstoff kommt auf mehrere Lagen Filz, bevor Esther Blaser den kunstvoll verzierten Sattel auf den Pferderücken legt. Ein Muss für die passionierte Reiterin – «der Sattelbaum aus Holz ist ungepolstert und nicht sehr rückenfreundlich», erklärt sie. Auch das scharfe Stangengebiss, das eigentlich zu einer originalen Ausrüstung gehören würde, hat sie durch eine pferdefreundlichere Ausbildungstrense ausgetauscht. Brav dreht der schicke Rappe danach unter dem Berbersattel seine Runden. Doch erst als die Reiterin umsattelt und in den Dressursattel steigt, zeigt er seine schönen Gänge. Das Pferd muss überzeugen Vier Jahre alt ist El Khortom, und trotz seines jugendlichen Alters zeigt er sich unter dem Sattel erstaunlich gelassen. Temperamentvoll, aber jederzeit willig und ausgesprochen menschenfreundlich – der Hengst mit einem Stockmass von 1,56 m ist ein würdiger Vertreter seine Rasse. Wer sich für ein solches Pferd interessiert, der findet in der Schweiz nur gerade eine Handvoll Züchter. Ausgebildete Tiere stehen nur selten zum Verkauf, meist werden Fohlen angeboten. Esther Blaser lädt deshalb Interessierte ein, ihre beiden Berber auch mal Probe zu reiten. «Schliesslich muss das Pferd überzeugen und nicht ich», sagt sie. Sie selbst ist von der Rasse begeistert, ist im Vorstand des Schweizerischen Verbandes des Berberpferdes mit dabei. Ritt sie früher vorwiegend Warmblüter in Dressur und Springen, stiess sie durch Interesse am Barockreiten auf den Berber. 2005 buchte sie ein Erlebniswochenende auf einem deutschen Berbergestüt. Dort fiel ihr auf der Weide ein schwarzes Fohlen auf – «und ich wollte schon immer einen Rappen haben». Nach einigen schlaflosen Nächten kaufte sie das Fohlen, ebenso den gleichaltrigen Fuchs El Jamil, denn El Khortom sollte einen Spielkameraden haben. Inzwischen ist El Jamil kastriert und noch immer der beste Freund von El Khortom. Keine Selbstverständlichkeit, denn nach wie vor werden die meisten Hengste einzeln gehalten. Einen Traum erfüllt Mit dem Bau von Haus und Stallungen in Diessenhofen ist für die 38-Jährige ein Traum in Erfüllung gegangen. Hier lebt sie mit ihren zwei Berbern, nimmt regelmässig Ausbildungs- oder Ferienpferde auf und gibt auf ihrem Hof sowie in fremden Ställen Reitunterricht. Daneben hat sie ein 60-Prozent-Pensum auf dem Veterinäramt in Schaffhausen. «Mir ist es sehr wichtig, dass ich die Arbeit mit den Pferden alleine schaffe», sagt sie. Eine eigene Zucht aufbauen will sie deshalb nicht. El Khortom deckt aber fremde Stuten, diese Jahr waren es bereits sechs. Vier davon stehen ebenfalls in Diessenhofen und sind im Besitz von Werner Wicker, Inhaber der Werner-Wicker-Klinik im deutschen Bad Wildungen. Wicker, der einst Pläne für ein Thermalbad in Diessenhofen hatte, will eine kleine, aber feine Liebhaberzucht von Araber-Berbern aufbauen. Beim Kauf der Stuten hat ihn Esther Blaser beraten, Papiere und Zollformalitäten erledigt und die Stuten importiert. Wenn alles klappt, gibt es im Frühling in Diessenhofen die ersten Araber-Berber-Fohlen. lBRENDA ZUCKSCHWERDT (ThurgauerZeitung)